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Die Baumschutzsatzung: Dichtung und Wahrheit
Leider nie richtig verstanden...

 

Ein seltenes, noch erhaltenes Exemplar des Faltblattes der Stadt Braunschweig, welches die Baumschutzsatzung in nichtjuristischer Sprache für Jedermann und Jederfrau erläuterte, wurde uns von einer Bürgerin zugesandt.

Trotz dieser eigentlich unkomplizierten Verordnung spukt eine völlig verzerrte Vorstellung darüber in der Bevölkerung, was die Baumschutzsatzung eigentlich meinte. Ein Leserbrief vom 29.3.2004 aus der BZ belegt die mangelnde Auseinandersetzung damit.

Zitat: "... und auf meinem Grundstück entscheide ich selbst über Bäume und Sträucher, die wir selber gepflanzt haben."

Genau dieses Argument zieht aber nicht gegen die Baumschutzsatzung. Ein Baum, der in einem Meter Höhe einen Umfang von 80 cm aufweist, ist in der Regel älter als die Person, die ihn gepflanzt hat. Das bedeutet, dass die Person, die einen solchen Baum gepflanzt hat, mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr am Leben ist. Ein solcher Baum gehört bereits seit Jahrzehnten zum kulturellen Umfeld der gesamten Nachbarschaft, dessen Berücksichtigung leider viel zu wenig stattfindet. Regelmäßig gepflegte Sträucher haben meistens nur etwas über Kopfhöhe. Sträucher in Gärten sind aber erst ab 3 m geschützt.

Entscheidungsfreiheit wird nicht nicht nur in diesem Brief gefordert, auch Ratsherr/MdL Brandes (CDU) fährt seine "liberale" Kampagne auf dieser Schiene und zahlreiche BürgerInnen springen auf. Im Leserbrief vom 30.4.2004 wird die Forderung nach weniger Bürokratie der Forderung nach einer Baumschutzsatzung gegenüber gestellt.
 
Dieser Polemik entgegenzuhalten ist, dass wir gerade die Bürokratie (Herrschaft der Ämter/des Grünflächenamtes) in unserer Stadt bemängeln
! Bäume werden ohne Befragung der AnwohnerInnen gefällt, wir werden ständig vor vollendete Tatsachen gestellt. Wer hier herrscht ist klar, nicht jedenfalls die BürgerInnen, denen die Ämter eigentlich in einer Demokratie Rechenschaft schuldig sind.

Bemerkenswert ist ein Statement zu Beginn der Erläuterungen des Faltblattes:

"So produziert z.B. eine 100-jährige freistehende Buche von 25 m Höhe und einem Kronendurchmesser von ca. 14 m mit einer äußeren Blattfläche von 1600 m² stündlich 1,7 kg Sauerstoff und kann damit den Sauerstoffbedarf von etwa 10 Menschen decken."

Sauerstoff für etwa 10 Menschen: Dies zeigt, dass ein Baum dieser Größe keine Privatangelegenheit mehr sein kann! Ein Baum ist keine Sache, sondern ein Lebewesen, auf das wir angewiesen sind!