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> Zu den Bildern von der "Restaurierung".
Seit dem Wegfall der Baumschutzsatzung, ein von OB
Dr. Hoffmann umgesetztes Wahlversprechen, sind in Braunschweig Tausende Bäume
gefällt worden. Doch die Baumschutzsatzung schützte nicht nur vor willkürlichem
Baumfällen in Privatgärten, auch die Stadt Braunschweig war daran
gebunden. Nun sind also zahlreiche Projekte auf den Weg gebracht
worden, die allesamt riesige Grünflächen beanspruchen und zerstören,
ohne dass dafür ein aktiver Ausgleich geplant wäre. Von einer Grünentwicklung,
wie der Stadtbaurat Zwafelink es nennt, kann daher keine Rede mehr sein,
es ist tatsächlich eine Rückentwicklung. Nachdem der Schlosspark
gefallen ist, rückt jetzt die schon länger geplante Restaurierung des
Prinz-Albrecht-Parks in den Vordergrund. Auch hier gibt es ein breite
Masse, die diese Maßnahme, der über 200 Bäume zum Opfer fallen werden,
ablehnt.
Nun ist das Gestalten von Parks, die wie ein Garten
ein von Menschen geplantes Grünareal sind, als Gartenkunst schon seit
Jahrhunderten in unserer Kultur verankert.
Eine auf den Baumschutz reduzierte Betrachtungsweise
wird daher der Sache nicht gerecht. Doch neben den künstlerischen
Aspekten sind auch die veränderten sozio-kulturellen Bedingungen zu berücksichtigen,
da diese Kunstform nicht für sich stehen kann, sondern alltäglich
benutzt wird und dem Wohlbefinden der Menschen der Gegenwart dienen soll.
Ein Exkurs in die Geschichte des Parks soll dies verdeutlichen.
In dem 1989 erschienenen Buch aus der Reihe
„Braunschweiger Werkstücke“ zur Gartenkunst in Braunschweig von
Heinz-Joachim Tute und Marcus Köhler, welches mit wesentlicher Unterstützung
der Richard Borek Stiftung Braunschweig gedruckt wurde, werden Veränderungen
am Parkgelände im Lauf der Geschichte beschrieben und mit Zeitdokumenten
belegt.
Resümierend bedauern die Autoren „die Situation
nach 1945“, die durch einen beständigen Verfall der Parkanlage geprägt
sein soll, „die vor allem in unserer Zeit zunehmend den Charakter eines
einfachen „multifunktionalen“ Freizeitparks gewinnt und den Charakter
des künstlerisch geformten Landschaftsparks verliert.“
So seien „nicht nur viele Blickverbindungen, die den
Park früher reizvoll machten, verschwunden, sondern größere Flächen
zum Vorteil sportlicher Einrichtungen auch gänzlich aus dem Park
herausgenommen worden.“ Darüber hinaus fehle „weiterhin die von Kreiß
ursprünglich geplante Erweiterung der Anlage nach Norden, so daß der
Park an seiner heutigen Nordgrenze nach wie vor in ein im wesentlichen
ungestaltetes Gelände übergeht, das partiell durch Sportplätze,
partiell durch baumlose und von Trampelpfaden durchzogene Wiesenflachen
geprägt ist und eine räumlich eindeutige und befriedigende Gliederung
vermissen läßt.“
Wenig glücklich sei auch „die Entwicklung des
Rasenovals von 1895 verlaufen.“ Die Autoren schreiben: „Während der
Architekt Kreiß in dem Oval das künstlerisch gestaltete, mit streng
geschnittenen Hecken. Rasenflächen und Blumen geschmückte Zentrum des
Parkes und zugleich einen wirkungsvollen, repräsentativ wirkenden
Parkeingang verwirklicht sehen wollte, präsentiert sich dieser Bereich
heute als banal gestalteter asphaltierter Tummelplatz mit Spielgeräten,
der nur noch Reste seiner ehemals künstlerisch wertvollen Form erkennen läßt.“
Leider werden in dem Artikel die angeblich ehemals
vorhandenen Sichtbeziehungen weder beschrieben noch durch alte Fotos oder
Zeichnungen belegt. Sie scheinen für den Entwurf des Parkes nur marginale
Bedeutung gehabt zu haben. Gut beschrieben werden aber vor allem die Allee
am Eingang des Parkes und die geschwungenen Wege. Als besonders wichtig für
die Parkgestaltung wird die Bedeutung der Denkmäler für Prinz Albrecht
und Generalmajor Olfermann herausgestellt.
Nun also soll mit Unterstützung der Richard Borek
Stiftung der alte Zustand des Parks wiederhergestellt werden. Dieser soll
durch das Freilegen der repräsentativen Alleen und wie Herr Günther von
Grünflächenamt betont, das Herstellen von Sichtachsen geschehen.
Damit ist die Restaurierung, die nicht die
eigentlichen planerischen Absichten des damaligen Gartenarchitekten Kreiß
umsetzt, welche sich vor allem auf baumlose Bereiche beziehen, nur ein Stückwerk.
Interessant bleibt die Einschätzung der Autoren des
oben genannten Buches:
„(...) Der Prinz-Albrecht-Park war somit von
Anfang an weniger als kunstvoll gestaltetes und der gesamtstädtischen
Repräsentation dienendes Gebiet, sondern als Park konzipiert, der
speziell den Bewohnern des östlichen Ringgebietes reizvolle Aufenthalte
in einer natürlich, wenngleich anspruchsvoll gepflegten Umgebung bieten
sollte.“
Reizvolle Aufenthalte bietet der Park bis heute zu
genüge, sonst würden die Bürgerinnen und Bürger den Park nicht so gut
annehmen. Die Haltung gegenüber der Natur hat sich jedoch grundlegend geändert.
Bevorzugte man früher tatsächlich eher gezirkelte Rabatten, so wurde
seit den 1980er Jahren der Wert und die Schönheit freier Natur erkannt.
Der Pflegezustand des Parks misst sich heute also eher an der Sauberkeit,
die wegen der vielen Hunde schon manchmal zu wünschen übrig lässt.
Die Umsetzung der für 15 Jahre veranschlagten
Restaurierung hat nun begonnen. Entlang der Georg-Westermann-Allee (siehe Bilder)
finden
wir erste Ergebnisse der Bemühungen. Eine lange Allee heute sehr
stattlicher Linden hatte noch zur Zeit der Parkanpflanzung 1895 ihre
Berechtigung als Wegebeziehung. Ein Spaziergang nach Riddagshausen muss
recht idyllisch gewesen sein. Dieser Winkel des Parks ist heute durch die
laute Straßenkreuzungen und den Bahnverkehr sehr unattraktiv geworden.
Daher ist zu bezweifeln, dass die Maßnahmen im Rahmen der Restaurierung
hier noch sinnvoll sind. Seit langem schon bildeten zahlreiche junge Bäume
und dichtes Buschwerk mit vielen Nistmöglichkeiten eine natürliche
Barriere zur lauten Straße. Jetzt wurde dies alles beseitigt und
stellenweise durch unmotiviert wirkende Kreise aus sehr dicht gepflanzten
Schwarzkiefern und Eiben ersetzt. Die Allee, die eigentlich schon vorher
sehr gut erkennbar war, wurde komplett freigelegt und darunter wurde Rasen
eingesät. Leider stellen wir jedoch fest, dass im Baumkataster (siehe Bild)
gerade die
Alleebäume als krank, in der Fachsprache abgängig, gekennzeichnet sind.
Und nicht nur diese: Auch alle anderen im Kataster eingezeichneten Bäume,
mit Ausnahme der neugepflanzten, sind krank. In Aussicht steht uns also
folgendes „reizvolles“ Szenario: Begleitet vom Geräusch des Straßenverkehrs
strebt eine Allee aus jungen Baumschulbäumchen nebst Pulk aus Eiben und
einem Kreis aus kahlen Kiefernstämmen, an deren oberen Enden sich das Grün
befindet, von der Betontreppe an der Ebertallee auf den Bolzplatz des
Polizeisportvereins zu.
Diese neueren örtlichen Gegebenheiten lassen sich im
Übrigen nicht wegrestaurieren. Das ist auch nicht wünschenswert, denn
Breitensport stellt einen neuen Wert dar, und das Rad der (Automobil-)Geschichte
lässt sich nicht zurück drehen.
Das führt uns schließlich zu einer grundlegenden
Frage. Wenn wir von Restaurierung sprechen, sollten wir uns nicht darauf
einigen, welchen Zustand wir restaurieren wollen? Der Park von 1895 wurde
in der Nazi-Zeit bereits grundlegend verändert. Das oben zitierte Buch
geht auf diese Veränderungen schamvoll erst gar nicht ein. Die Zeit ab
1934 wird ausgelassen und lediglich durch das Zitat eines zeitgenössischen,
romantisierenden Zeitungsartikels repräsentiert. Keine Erwähnung findet
der sog. Thingplatz am Nussberg, die Rednerkanzel, die von den Nazis über
dem Franzschen Feld („SA-Feld“) für Aufmärsche errichtet wurde,
sowie der Bunker. Wie will die Richard-Borek-Stiftung mit dieser Narbe
umgehen?
Es scheint, als ginge die sogenannte Restaurierung
nur mit dem Fällen von Bäumen und Büschen einher: Ein Feldzug gegen die
Natur auf dem Truppenplatz der Vergangenheit. Eine echte
Auseinandersetzung mit der Geschichte des Parks findet ebenso wenig statt,
wie das Erforschen der Bedürfnisse der in der Gegenwart lebenden Bürgerinnen
und Bürger.
Gabriele Uhlmann
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